Warum gibt es häufig Streit mit dem BU-Versicherer?

Für Versicherte und Versicherer gibt es einen Zeitpunkt, den sich niemand wünscht; den Leistungsfall.

 

Oft stellt sich der der wirkliche Wert Ihrer Versicherung erst im Leistungsfall heraus.
Für den Versicherten einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist dieser Zeitpunkt bereits geprägt von länger andauernder Krankheit und den damit verbundenen finanziellen Einbußen seines Einkommens. Für den Versicherer heißt es nun das bei Vertragsabschluss gegebene Leistungsversprechen für den Fall einer Berufsunfähigkeit zu erfüllen und die vereinbarte monatliche Rente als Einkommensersatz zu zahlen.

Idealerweise erwartet man eine faire und schnelle Regulierung seiner Ansprüche und aktive Unterstützung in der, durch Krankheit und finanzielle Einbußen geprägten, Existenzbedrohenden Situation. Die Leistungsfallabwicklung führt jedoch häufig zu Enttäuschungen, was den privaten Berufsunfähigkeitsversicherern nicht gerade den besten Ruf beschert. Doch warum kommt es zu solchen Enttäuschungen im Leistungsfall? Dies hat vielfältige Gründe:

Ein Grund liegt sicherlich in der Definition des Begriffs „Berufsunfähigkeit“. Nahezu jeder, der einen Beruf ausübt, wird diesen Begriff individuell für sich und seine berufliche Tätigkeit definieren. Ihre persönliche Definition einer Berufsunfähigkeit wird sich sicherlich von der Ihres Nachbarn unterscheiden.
Tatsächlich aber gibt keine einheitliche Definition der Berufsunfähigkeit in der privaten Versicherung.

Seit der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) im Jahre 2008 gibt es eine im Gesetz verankerte Mindestanforderung für die Definition „Berufsunfähigkeit“, welche lautet:
Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

Annähernd alle Lebensversicherer bieten mehrere Berufsunfähigkeitsprodukte an, die sich in Preis, Leistung und der Definition der Berufsunfähigkeit unterscheiden. In der Konsequenz ist also für  jeden einzelnen Leistungsfall die individuelle Definition der Berufsunfähigkeit des versicherten Tarifs anzuwenden. Hierzu ein Beispiel:

Wir konstruieren einen Fall in dem wir 2 identische Personen vorfinden (gleiches Alter, Geschlecht, Beruf…). Beide Personen schließen zum gleichen Zeitpunkt und bei gleichem Gesundheitszustand eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ab, jedoch bei unterschiedlichen Versicherern. Beide erkranken zum gleichen Zeitpunkt an ein und derselben Erkrankung und beantragen jeweils bei ihrem privaten Versicherer die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente. Versicherer A leistet bedingungsgemäß, Versicherer B leistet nicht, da gemäß dessen Bedingungen eine Berufsunfähigkeit nicht vorliegt.

Übrigens:
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer empfiehlt Ärzten und Gutachtern, aufgrund der Komplexität dieses Themas, eine 17seitige Broschüre als Hilfestellung bei der Feststellung einer Berufsunfähigkeit in der privaten Versicherung.

Mitunter der häufigste Grund für die Ablehnung der Versicherungsleistung ist das Nichterreichen des erforderlichen 50%igen Berufsunfähigkeitsgrades. Laut Statistik wird mehr als jeder 4. BU-Leistungsantrag aus diesem Grund abgelehnt.

 

 

 

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